Dr. Christian Heß: Max Josef Metzger

Ich schreibe nicht viele Buchbesprechungen, weil ich einfach die Zeit dafür nicht nehmen will. Aber manchmal gefällt mir ein Buch so gut, dass ich meine Gedanken doch verbreiten möchte. Also, meine Gedanken zu:

Christian Heß: “Ohne Christus, ohne tiefstes Christentum ist Krieg”. Die Christkönigsthematik als Leitidee im kirchlich-gesellschaftlichen Engagement Max Josef Metzgers.

Dieses Buch ist so gut. Vor allem ist es sehr, sehr gut geschrieben. Komplizierte Vorgänge, komplexe Ideen und Vorstellungen werden so anschaulich und begreiflich erklärt, dass jeder sie verstehen kann. Der Leser braucht weder Theologe noch Historiker zu sein um dieses Buch zu schätzen. Der Inhalt des Buches ist für jeden zugänglich. Herr Dr. Heß hat alles bis auf das letzte Detail recherchiert und dann die Vorgänge mit einer zugleich gelehrten wie unterhaltsamen Sprache beschrieben.

Der Leser hat das Gefühl, alles, besonders Ursache und Wirkung, zu verstehen und will immer weiterlesen, weil das Buch so spannend geschrieben ist.

Es ist schon viel über Max Josef Metzger geschrieben, sein Seligsprechungsverfahren läuft ja, aber dieses Buch von Herrn Dr. Heß ist wichtiger als die anderen, weil es die Grundmotivation von Max Josef Metzger, die durch sein ganzes Erwachsenenleben hindurch zog, erklärt und sie verständlich macht.

Max Josef Metzger war Priester, Militärpfarrer dann Pazifist, Ökumeniker, Vegetarier, Antialkoholiker, Choleriker, Esperanto-Fan, Naziregimegegner und Märtyrer. Er hatte viele Leidenschaften und war ein komplizierter, komplexer Mensch. Er war hoch intelligent und gebildet aber oft fehlte ihm den gesunden Menschenverstand, er war oft naiv, ganz ohne “street smarts”.

Heute käme man in Versuchung zu vermuten, er sei einfach ADHS gewesen, jemand, der sich immer wieder spontan und schnell für etwas Neues begeistert, aber damit würde man ihm Unrecht tun. Durch mächtige Recherchen hat Herr Dr. Heß den Faden gefunden, der durch das Leben Max Josef Metzgers ein Leben lang geführt hat.

Herr Dr. Heß zeigt, dass die Idee, die Max Josef Metzger durch alle Lebensabschnitte geführt hat, war Vorstellung, Bedeutung und Konsequenz aus der Christkönigtheologie. Nach der Katastrophe des Ersten Weltkriegs war es für Max Josef Metzger klar, dass die Herrschaft von Menschen nicht imstande sei, Krieg und Leid zu verhindern. Im Gegenteil: Im Ersten Weltkrieg gerade am Hartmannsweilerkopf, wo Max Josef Metzger eingesetzt war, haben deutsche Katholiken und französische Katholiken sich gegenseitig Tag für Tag hingemetzelt, und das völlig umsonst. Dies könne nicht mit der Lehre Christi im Einklang gebracht werden. Also sei die Herrschaft Jesu die einzige Rettung für die Menschheit. Also wurde die Christkönigtheologie zum Kern des Wesens des Max Josef Metzgers.

Herr Dr. Heß hat erkannt, dass diese Christkönigtheologie heutzutage relativ unbekannt oder gar bei vielen eher unbegreiflich ist. Daher, um Max Josef Metzger richtig zu verstehen, muss man zuerst wissen, was Christkönigtheologie eigentlich ist. Diese Theologie hat nämlich eine lange, eher komplizierte Geschichte, angefangen mit der Entstehung des Christkönigsfestes.

Wir Leser haben es der Schreibkunst von Herrn Dr. Heß zu verdanken, dass dieses Thema so brillant begreiflich und wirklich unterhaltsam erläutert wird. Er beschreibt auf sehr spannende Art wie Ereignisse der politischen Geschichte und der Kirchengeschichte aufeinander prallten, natürlich mit den üblichen Missverständnissen und Abzweigungen. Längst nicht alle Kleriker und Bischöfe konnten etwas mit dem Christkönigfest anfangen, aber ab 1925 gab es dieses Fest, und die dazugehörige Theologie entwickelte sich weiter.

Durch diese so überschaubare Beschreibung kann man dann nachvollziehen, wie diese Christkönigtheologie für Max Josef Metzger zur Antwort auf menschliche Probleme auf Erde wurde.

Bei jedem Lebensabschnitt sieht man in diesem Buch, wie es Max Josef Metzger klar wurde, dass die Menschheit nur Christus als Herrscher folgen dürfe. Menschen verursachen oder dulden Kriege; Christus rufe zum Frieden auf. Menschen erlauben sich Konfessionsquerelen; Christus rufe einfach zur Nachfolge auf, ohne Rücksicht auf Konfession. Vielen Menschen gehe es wirtschaftlich und sozial schlecht; Christen sollen auf Dinge verzichten, die dieses Unrecht begünstigen, wie Alkohol oder Fleisch. Verständnis zwischen den Völkern werde durch Sprachprobleme verursacht oder verstärkt; eine Einheitssprache sei notwendig, damit kein Volk Vorteile durch seine Sprache erhält. Da Latein nicht mehr dazu fähig sei, müsse Esperanto her.

Max Josef Metzger war letzten Endes ein Visionär, überzeugt davon, dass wenn alle Menschen die Königsherrschaft Jesu akzeptieren würden, zumindest Friede auf Erden möglich wäre.

Jetzt läuft sein Heiligsprechungs-, bzw. Seligsprechungsprozess. Viele vom Vatikan als heilig anerkannte Menschen haben ein einziges Ziel vor Augen gehabt, eine feste Überzeugung, die ihnen die Kraft gab, so zu wirken. Ob eine solche Überzeugung zu haben dann der Vorbildfunktion gut tut, darüber lässt sich natürlich streiten.

Dr. Heß zeigt Fall für Fall, Ereignis für Ereignis, wie diese Christkönigtheologie Max Josef Metzger inspiriert und geführt hat. Dadurch schreibt er die spannendste Biografie von Max Josef Metzger, die es gibt.

Am Ende bleibt Max Josef Metzger ein Visionär, seiner Zeit ziemlich voraus. Als Naziregimegegner bleibt er unumstritten, ein Märtyrer und Held. Als Ökumeniker war er seiner Zeit weit, weit voraus, aber die katholische Kirche hat sich in seine Richtung bewegt. Inzwischen sehen viele christliche Konfessionen den Weltfrieden als etwas Gottgewolltes. Als Vegetarier und Antialkoholiker war Max Josef Metzger auch seiner Zeit voraus, aber die meisten, die diese Überzeugung teilen, könnten mit einer Christkönigherrschaft nicht viel anfangen. Esperanto, mit seiner eurozentrischen Ausrichtung, wird auch kaum noch eine Rolle spielen, wenn es um Verständnis unter den Völkern geht. Und die Vorstellung, dass die Menschheit insgesamt einer Christkönigherrschaft unterwerfen würde, ist heute auch nicht mehr wahrscheinlich.

Also bleibt die Geschichte eines gläubigen Menschen, der eine theologische Antwort auf die Nöte der Menschheit gefunden hat und versucht hat diese Antwort in seinem Wirken zu realisieren. Und diese Geschichte ist im Buch von Herrn Dr. Heß perfekt geschrieben.

Es lohnt sich sehr, dieses Buch zu lesen, weil es so gut und interessant und spannend geschrieben ist. Nach dieser Lektüre kommt der Leser dann unaufhörlich auf Gedanken, zum Beispiel, dass theologische Ideen durchaus Antworten auf menschliche Probleme bieten können, auch wenn solche Antworten weder perfekt noch von ewiger Dauer sind.

Mary Jo Rabe

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retired librarian, science fiction fan and writer
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